360° BBQ
Kugelgrills und Keramikgrills nebeneinander.
Beide arbeiten mit Holzkohle, unterscheiden sich aber in der Speichermasse. Der Kugelgrill besteht aus dünnem, emailliertem Stahlblech, wiegt oft unter 20 Kilogramm und kostet einen Bruchteil. Der Kamado hat eine mehrere Zentimeter dicke Keramikwand, wiegt mit Gestell rund 100 Kilogramm und hält Temperaturen zwischen 80 und 400 °C über viele Stunden mit einer Kohlefüllung. Der Kamado lohnt sich, wenn man regelmäßig lange gart oder Pizza bei hoher Temperatur backen will – für den normalen Grillabend ist der Kugelgrill die vernünftigere Wahl.

Beide sind Holzkohlegrills mit Deckel, beide können direkt und indirekt. Der Unterschied steckt nicht in der Bedienung, sondern in der Wand: Ein Kugelgrill gibt Wärme nach außen ab, ein Kamado speichert sie. Daraus folgt fast alles Weitere.
| Kriterium | Kugelgrill | Kamado |
|---|---|---|
| Material | emailliertes Stahlblech, wenige Millimeter | Keramik, mehrere Zentimeter Wandstärke |
| Gewicht | meist unter 20 kg | rund 100 kg inklusive Gestell |
| Arbeitsbereich | etwa 150–300 °C | etwa 80–400 °C |
| Betriebsbereit nach | 20–40 Minuten | 20–30 Minuten |
| Temperatur halten | braucht Nachlegen und Nachregeln | hält über zwölf Stunden mit einer Füllung |
| Kohleverbrauch | hoch, viel Wärme geht nach außen | deutlich geringer |
| Verhalten bei Kälte und Wind | spürbar, Temperatur fällt ab | kaum spürbar |
| Anschaffung | niedriger Einstieg möglich | Vielfaches davon |
| Umstellen und Transport | problemlos zu zweit | faktisch ein fester Standort |
Die Keramikwand eines Kamado nimmt beim Aufheizen große Wärmemengen auf und gibt sie langsam wieder ab. Das hat drei praktische Folgen. Erstens bleibt die Temperatur auch dann stehen, wenn draußen der Wind dreht oder es kalt wird – der Kamado ist der einzige Kohlegrill, bei dem Wintergrillen kaum anders läuft als im Sommer. Zweitens sinkt der Kohleverbrauch erheblich, weil weniger Wärme nach außen verloren geht. Und drittens erreicht er mit rund 400 °C Temperaturen, bei denen Pizza in wenigen Minuten fertig ist.
Dieselbe Speichermasse ist aber auch der größte Nachteil im Alltag. Wer zu weit über die Zieltemperatur hinausschießt, bekommt sie nicht schnell wieder herunter: Man schließt die Ventile und wartet, notfalls eine Stunde. Beim Kugelgrill genügt ein Blick auf den Luftschieber und ein paar Minuten Geduld. Die Faustregel für den Kamado lautet deshalb, rund 40 °C vor der Zieltemperatur beide Ventile weitgehend zu schließen und die Temperatur von unten anzufahren statt von oben.
Der Kamado wird langsam angeheizt und nicht mit kaltem Wasser gereinigt. Wichtig ist auch das Öffnen des Deckels bei hoher Temperatur: erst einen Spalt, kurz warten, dann ganz öffnen. Sonst zieht schlagartig Sauerstoff nach, und die Stichflamme trifft den, der davorsteht. Beim Kugelgrill ist dieser Punkt weniger kritisch, weil ohnehin selten mit 400 °C gearbeitet wird.
Der Preis ist das offensichtliche Argument, aber nicht das einzige. Ein Kugelgrill lässt sich zu zweit tragen, im Winter in den Keller stellen und zum Nachbarn mitnehmen. Er ist in wenigen Minuten umgebaut, wenn man von direkt auf indirekt wechseln will, und ein zerkratztes Email ist kein Drama. Ein Kamado steht dort, wo er einmal aufgebaut wurde.
Hinzu kommt: Für das, was die meisten Menschen an einem normalen Grillabend machen – Steaks, Würstchen, Gemüse, gelegentlich Hähnchen indirekt – bringt die Speichermasse keinen Vorteil. Sie zahlt sich erst aus, wenn der Grill über Stunden eine bestimmte Temperatur halten soll.
| Nutzung | Empfehlung |
|---|---|
| Ein bis zwei Grillabende pro Woche, klassisches Grillgut | Kugelgrill |
| Regelmäßig Pulled Pork, Brisket, Ribs | Kamado – oder Kugelgrill mit Minion-Methode als günstiger Einstieg |
| Pizza bei 350 bis 400 °C | Kamado |
| Ganzjährig grillen, auch bei Frost | Kamado |
| Wechselnder Standort, Umzüge, Balkon | Kugelgrill |
| Kleines Budget, Einstieg ins Thema | Kugelgrill mit Deckel und Anzündkamin |
Ein oft übersehener Zwischenweg: Ein guter Kugelgrill mit dichtem Deckel beherrscht Low and Slow durchaus – über die Minion-Methode, bei der nur wenige glühende Briketts auf eine große Menge kalter gelegt werden, die sich nach und nach entzünden. Das Ergebnis ist nicht schlechter, es kostet nur mehr Aufmerksamkeit und mehr Kohle. Wer erst herausfinden will, ob lange Garzeiten überhaupt sein Thema sind, sollte diesen Weg gehen, bevor er das Vielfache ausgibt.
Das Material. Der Kugelgrill besteht aus dünnem emailliertem Stahlblech, der Kamado aus mehrere Zentimeter dicker Keramik. Die Keramik speichert Wärme, hält die Temperatur über viele Stunden stabil und verbraucht dabei deutlich weniger Kohle.
Nur bedingt. Wer klassisch grillt, bekommt für einen Bruchteil des Preises mit einem Kugelgrill dasselbe Ergebnis. Der Kamado lohnt sich, wenn regelmäßig lange Garzeiten oder Pizza bei hoher Temperatur anstehen.
Mit einer Kohlefüllung sind über zwölf Stunden bei rund 100 °C möglich, ohne nachzulegen. Genau dafür ist die Bauart gemacht.
Ja, über die Minion-Methode: wenige glühende Briketts auf eine große Menge kalter legen, die sich nach und nach entzünden. Man muss häufiger nachsehen und nachlegen als beim Kamado.
Weil die Keramik die aufgenommene Wärme speichert. Deshalb die Zieltemperatur von unten anfahren und rund 40 °C vorher die Ventile weitgehend schließen – Überhitzung lässt sich nur mit viel Zeit korrigieren.
Mit Gestell etwa 100 Kilogramm. Er wird einmal aufgestellt und bleibt dort; ein Kugelgrill unter 20 Kilogramm lässt sich dagegen jederzeit umstellen.
Kugelgrills und Keramikgrills nebeneinander.