Grillarten

Der Kamado-Grill

Ein Kamado ist ein Grill aus dicker Keramik, die Wärme speichert statt sie abzugeben. Dadurch deckt er einen sehr großen Bereich ab – von etwa 80 bis 110 °C für Low and Slow bis rund 400 °C für Pizza – und hält Temperaturen mit einer Kohlefüllung über viele Stunden, bei extrem geringem Verbrauch. Der Preis dafür sind ein Gewicht um 100 Kilogramm, ein hoher Anschaffungspreis und eine gewisse Trägheit beim Nachregeln.

Keramikgrill in Eiform mit geöffnetem Deckel und glühender Kohle im Inneren

Der Kamado ist die Bauart mit dem größten Abstand zwischen Preis und Prinzip: Technisch ist er ein Tontopf mit Deckel und zwei Lüftungsöffnungen – und trotzdem die vielseitigste Konstruktion im Feld, weil er als einziger Grill sowohl 100 °C über zwölf Stunden als auch Pizza bei 400 °C beherrscht.

Warum Keramik so effizient ist

Ein Stahlgrill gibt Wärme nach außen ab, ein Kamado speichert sie in mehreren Zentimetern Keramik. Ist die Masse einmal aufgeheizt, strahlt sie kontinuierlich in den Garraum zurück. Das hat zwei Konsequenzen: Der Kohleverbrauch ist minimal, weil kaum Wärme verloren geht – und die Temperatur ist bemerkenswert stabil, weil die Masse jede kurzfristige Schwankung ausgleicht.

Diese Trägheit hat eine Kehrseite: Wer zu weit über die Zieltemperatur hinausschießt, wartet lange, bis der Grill wieder herunterkommt. Die Regel lautet deshalb, sich von unten an die Zieltemperatur heranzutasten und die Ventile frühzeitig zu schließen – deutlich früher, als es sich richtig anfühlt.

Der Deflektorstein macht den Unterschied

Ohne Zubehör ist ein Kamado ein sehr effizienter Direktgrill. Erst der Deflektorstein – eine Keramikplatte zwischen Glut und Grillgut – macht ihn zum indirekten Garraum und damit zum Smoker-Ersatz. Er blockiert die Strahlungshitze von unten, sodass nur noch heiße Luft zirkuliert. Damit sind Ribs, Pulled Pork und Brisket möglich, ohne dass die Unterseite verbrennt.

Für Pizza kommt zusätzlich ein Pizzastein auf den Rost: Der Deflektor schützt vor direkter Hitze, der Stein liefert die Unterhitze, und die Keramikkuppel wirft die Oberhitze zurück. Das ist die Konstellation, in der ein Kamado einem Steinofen am nächsten kommt.

Kamado auf Zieltemperatur bringen

  1. Kohle einfüllen

    Stückige Grillkohle bis knapp unter den Feuerring. Nicht verdichten – die Luft muss durch.

  2. Punktuell anzünden

    Ein bis zwei Anzünder an einer Stelle entzünden, nicht die ganze Fläche. Bei niedrigen Zieltemperaturen genügt eine einzige Zündstelle.

  3. Ventile weit öffnen

    Unteres Zuluftventil und Kaminaufsatz offen, Deckel zu. Der Kamado zieht dann von selbst hoch.

  4. Rechtzeitig drosseln

    Etwa 30 bis 40 °C vor der Zieltemperatur beide Ventile weitgehend schließen. Wer bis zur Zieltemperatur wartet, überschießt zuverlässig.

  5. Einpendeln lassen

    15 bis 20 Minuten nichts tun. Die Keramik braucht diese Zeit, um die Temperatur zu stabilisieren – erst danach nachregeln.

  6. Deflektor einsetzen

    Für indirektes Garen jetzt den Deflektorstein einlegen, dann das Grillgut auflegen.

Rückschlagflamme beim Öffnen

Wird der Deckel eines heißen Kamados ruckartig geöffnet, strömt schlagartig Sauerstoff auf die Glut und es kann zu einer Stichflamme kommen. Deshalb den Deckel immer erst einen Spalt öffnen, kurz warten und dann ganz aufklappen. Das ist die wichtigste Sicherheitsregel bei dieser Bauart.

Typische Fehler am Kamado

  • Zu spät drosselnDie Keramik speichert die Wärme – wer erst bei Zieltemperatur zumacht, landet 60 °C darüber und wartet danach eine Stunde.
  • Mit Briketts arbeitenMöglich, aber die höhere Aschemenge setzt die Luftzufuhr schneller zu. Stückige Kohle passt besser zur Bauart.
  • Ohne Deflektor indirekt garen wollenOhne den Stein kommt die volle Strahlungshitze von unten an – die Unterseite verbrennt, bevor das Innere gar ist.
  • Deckel ruckartig öffnenSauerstoffschub auf die Glut, Stichflammengefahr. Erst spaltbreit öffnen.
  • Keramik mit kaltem Wasser abschreckenThermoschock. Ein heißer Kamado wird nicht gereinigt, sondern durch Ausbrennen bei hoher Temperatur.

Häufige Fragen zum Kamado

Was ist ein Kamado-Grill?

Ein Grill aus dicker Keramik in Eiform, der Wärme speichert statt sie abzugeben. Geregelt wird über ein Zuluftventil unten und einen Kaminaufsatz oben. Dadurch deckt er Low and Slow ab etwa 80 bis 110 °C ebenso ab wie Pizza bei rund 400 °C.

Wie lange hält eine Kohlefüllung im Kamado?

Sehr lange. Durch die Isolierung geht kaum Wärme verloren, weshalb schon wenige Kilogramm Kohle für sehr lange Garvorgänge reichen. Bei niedrigen Temperaturen sind Läufe über eine Nacht ohne Nachlegen üblich.

Lohnt sich ein Kamado?

Wenn man die Bandbreite nutzt – lange Garzeiten, Pizza, Brot, Direktgrillen – dann ja. Wer nur Steak und Wurst macht, zahlt für Fähigkeiten, die ungenutzt bleiben.

Was ist der Nachteil eines Kamados?

Gewicht und Preis. Rund 100 Kilogramm bedeuten einen festen Standort, und der Anschaffungspreis liegt deutlich über dem eines Kugelgrills. Dazu kommt die Trägheit beim Herunterregeln.

Braucht man einen Deflektorstein?

Für indirektes Garen ja. Ohne ihn trifft die Strahlungshitze der Glut direkt auf das Grillgut. Bei vielen Geräten ist der Stein nicht im Lieferumfang enthalten – beim Kauf mit einplanen.

Kann ein Kamado im Winter draußen bleiben?

Ja, die Keramik verträgt Frost. Wichtig ist, dass kein Wasser im Inneren steht und gefriert – eine Abdeckhaube und ein geschlossener Kaminaufsatz genügen in der Regel.

Wo es Kamados gibt

360° BBQ

Keramikgrills mit Ersatzteilversorgung – beim Kamado besonders wichtig, weil Keramikteile springen können.

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